Folkerts Wanderseite

Wandervorschläge:

1   Von Emern nach Kroetzmühle und durch den Droher Forst

Tour-Vorschlag: Heike Borrmann
Text und Fotos: Folkert Frels

Es war ein Sonntag im April. Kühl, windig, aber sonnig. Wir parkten in Emern vor der Galerie „Drei Eichen“, an der Abzweigung zu „Livos“, gingen die Straße „Unter den Eichen“ entlang, sahen das an die Gefallenen des 1. Weltkrieges gemahnende Denkmal und bogen von der geteerten Straße ab in den Feldweg rechter Hand. Irgendjemand hatte Emern mal „den Ort mit den vielen Kopfweiden“ genannt – und, ja, auch in diesen Feldweg hinein begleiteten uns die geköpften, nun mit frischem Grün neu austreibenden Ruten.

Das Gedicht „Alte Kopfweiden“ von Dr. Ulrich Schröder, Clenze, kam uns in den Sinn:

Man hat euch wieder den Kopf geschoren.
Seht ihr nun aus wie neugeboren?
Nein, knorrig und und hohl.
Und ein wenig verloren
steht ihr in unseren Wiesen herum,
eine jede ein Individuum
und auf eigene Weise schief oder krumm“

„Hermann-Löns-Gedächtnispflaster“ führte uns in den Wald hinein, wechselte in einen sandigen Weg. In der Ferne schimmerten die Dächer von Ostedt, wir erreichten Kroetzmühle, schauten uns den alten, mit Inschrift versehenen Mahlstein an und verließen den Ort. Einige hundert Meter später schwenkten wir in den Weg in Richtung Droher Forst. Dieses kleine, lichte Waldstück mit überwiegend Buchen bestanden, zeichnet in dieser Jahreszeit eine Besonderheit aus:

 

Tausende Buschwindröschen reckten ihre weißen Blüten aus Moos und altem Laub und zauberten damit ein im Sonnenlicht glänzendes Stimmungsbild. Doch damit nicht genug – nach intensivem Suchen fanden wir einige Exemplare der gelbblühenden Windröschen, einer Anemonenart aus der Familie derHahnenfußgewächse. Hier, im Droher Forst, sind sie zuhause und haben sicherlich einen kleinen Anteil daran, dass dieser Landschaftsteil als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.

 

Wir machten einen kleinen Abstecher ans Ufer der Esterau, passierten dabei eine Reihe gestaffelter Fischteiche. Kurze Zeit später endete auf dem Handy-Navigator der Weg – doch ein durch Trecker-Fahrspuren gebildeter Pfad führte wieder auf befestigte Strecke und zurück zu unserem in Emern geparkten Auto.

 

 

 

Kleiner Bilderbogen:

2   Durch die Dumme-Niederung und den Gain

Tour-Vorschlag: Ralf Masché
Text und Fotos: Folkert Frels

Bis zur Grenzöffnung 1989 war in Bergen an der Dumme die Welt zuende. Kurz hinter dem Ortsausgang verlief die Grenze zwischen Ost und West, zwischen Warschauer Pakt und Nato, zwischen DDR und Bundesrepublik. Seitdem es keine Schlagbäume und Stacheldraht mehr gibt, seit die damals neu hergerichtete B 71 den ungehinderten Verkehr nach Salzwedel und darüber hinaus ermöglicht und nur noch der früher die Insignien des „ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden“ tragende Pylon an den Grenzübergang erinnert, ist Bergen/Dumme ein reiner Durchgangs-Ort geworden. Was auch nicht viel besser ist als vorher.
Am 1. Mai des 2. Corona-Jahres fuhren wir nach Bergen, stellten unser Auto vor dem Ortsausgang auf dem Parkplatz links ab und machten uns auf, die Dumme-Wiesen und den Gain zu erkunden. Am Reit- und Ferienhof Schulz vorbei ging’s hinaus in die Natur.

Links und rechts Wiesen und Felder, frisch ergrünte Bäume und Büsche säumten den Weg. An der nächsten Abzweigung hielten wir uns links und stellten wenig später beim Blick nach rechts, in den Wald hinein, fest, dass wir tunlichst auf dem Weg bleiben sollten: Wasser und Morast, Schilf und Sumpf-Gräser – ein wunderbar intakter Auwald nach relativ kurzem Anmarsch. Wenig später weitete sich die Landschaft wieder, gab den Blick frei auf ausgedehnte, von Gräben durchzogene Weideflächen. Scharbockskraut, Sternmiere, Löwenzahn, Sumpfdotterblume, dazu ein blauer Himmel über uns, Vogelgepiepe aus den Büschen am Weg, aus der Ferne rief ein Kuckuck – so sollte es sein am 1. Mai.

Erich Kästner kam uns in den Sinn, der in seinem Zyklus über die 13 Monate eines Jahres (jawohl, bei ihm gibt es einen 13. Monat (Der Dreizehnte Monat | Schatzkätzchen (wordpress.com)) über den Mai  u.a. folgende Worte findet:
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Wir kamen an die Dumme-Schleife – nicht ganz so imposant wie die Mosel-Schleife bei Bremm in der Calmont-Region, dennoch schön -, überquerten auf einer Brücke den Fluss und verließen damit das Naturschutzgebiet „Obere Dumme-Niederung“. Auf der anderen Seite beginnt der Gain, ein ebenfalls naturgeschütztes Waldstück. Herzhafter Knoblauch-Geruch wies uns auf den Bärlauch-Bestand hin. Gräben links, Gräben rechts – auch dies ist ein feuchtes Gelände. Vor Jiggel wich der Wald, machte Platz für Wiesen und Weiden.

In Jiggel beeindruckte uns die Furt durch den Schnegaer Mühlenbach, der hier seit über 500 Jahren eine Wassermühle antreibt. 1963 wurde die Mühle stillgelegt, im Jahre 2000  erfolgte die Restaurierung des Mühlrades.
Die idyllische Hofanlage besteht aus Backhaus (1708), Getreidemühle mit Wohnhaus (1734), Scheune (1814), Ölmühle (1817) und Schweinestall (1824). Am Ortsausgang von Jiggel in Richtung Bergung grüßte Otto (oder Marie, das konnten wir aus der Entfernung nicht feststellen) aus ihrem Storchennest. Der Rückweg zum Ausgangspunkt in Bergen verging wie im Fluge – eine schöne Wanderung zum ersten Tag im Mai fand ihr Ende.

 

Kleiner Bilderbogen: