Mein Blog

Liebes Tagebuch …

Früher, als ich noch Kind war, gab es die Sitte, alles, was einem wichtig war, was aber zugleich niemand anderes lesen und erfahren sollte, was also geheim war, in ein Tagebuch zu schreiben. Ich hatte nie ein Tagebuch und bin trotzdem mittlerweile so alt geworden – Zeit also, jetzt damit anzufangen. Nur: Tagebuch heißt das heute nicht mehr – heute sagt man „Blog“ dazu. Und geheim ist es erst recht nicht.

 

In unregelmäßigen Abständen werde ich hier hineinstellen, was ich als erzählenswert empfinde..

 


22. April 2017

Deichschafe auf der Bank

Vor ein paar Tagen –  ich glaube, es war Ostermontag – schickte mir eine liebe Freunde per WhatsApp ein Foto zu. Das reine Idyll. Zwei Deichschafe, nicht im Grase liegend, nicht das Gras grasend, nein, auf einer Bank liegend. Meine spontane Antwort: „Gönn den Schafen doch die Sonnenbank. (Besser als Schlachtbank)“. Es war wohl ein Reflex, der mich von Sonnen- auf Schlachtbank springen ließ. Weil: Traditionell werden zu Ostern Lämmer geschlachtet und deren Fleisch dann auf die österlich geschmückte Festtafel gebracht.

Seit altersher ist das Schaf ein Opfertier. Aus der Bibel ist überliefert, dass die Israeliten vor ihrem Auszug aus Ägypten die Türpfosten mit dem Blut frisch geschlachteter Lämmer versahen, um ihre Häuser dadurch vor den Todesengeln zu bewahren. Darüber hinaus sind Schaf und Lamm immer schon stete Begleiter des Menschen gewesen, versorgten ihn mit Wolle, Milch und Fleisch, sind religiös behaftet, gelten als Synonym für Frieden und Sanftmut („lammfromm“).

Doch nicht nur Idyll, auch Grauen kann mit diesen Wollknäueln verbunden werden: „Das Schweigen der Lämmer“. In diesem Film geht es um Tod und Töten. Nicht nur den Tod von Lämmern, aber halt auch. Das wieder führt mich zurück zu meiner flapsigen WhatsApp-Antwort „Besser als Schlachtbank“. Das Internet weiß alles. So auch die Antwort auf die Frage, wieviel Schafe und Lämmer im vergangenen Jahr 2016 in Deutschland geschlachtet wurden: Es waren 1.059.898 Stück. Das ist ganz gewiss keine kleine Zahl. Zwar ist diese Menge beinahe vernachlässigenswert gegenüber den in der gleichen Zeit geschlachteten Schweinen, Putern, Gänsen, Hühnern – und doch gibt dies zu denken. Vor allem beim Anblick dieser zwei süßen Schäfchen auf der Sonnenbank.

Haben da nicht die Wolfsbefürworter Recht, wenn sie sagen, die Wolfsgegner wollen nur deshalb den Wolf nicht zum Nachbarn haben, weil er ihnen das Essen wegfrisst? Doch das ist ein ganz anderes Thema. Und das Eis ist sehr dünn … (Übrigens: lt. „Merkur“ vom 21. April 2017 ist „der Wolf“ jetzt am Starnberger See angekommen – dort wo die Schönen und Reichen ihre Datschen haben. Ob das wohl gut geht? – https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/positiver-dna-befund-in-st-heinrich-wolf-ist-da-und-jetzt-8197074.html)


 22. April 2017

Wichtig bei Bückeburg ist: es gibt keine Bückeburg.

Heute, Sonnabend, habe ich ein mir vor fast vierzig Jahren gegebenes  Versprechen gebrochen. Ich wollte nie, nie, nie in meinem Leben nach Bückeburg. Heute war ich da. In Bückeburg. Familienbedingt hatte es uns nach Spenge verschlagen. Spenge? Ja, dass kannte ich vorher auch nicht, liegt zwischen Bünde und Bielefeld, oberhalb der A 2 und unterhalb der A 30. Jedenfalls wollte ich auf der Rückfahrt nicht die A 2 nehmen, wollte lieber noch den ollen Kaiser Wilhelm an der Porta Westfalica anschauen. Und, schwupps, stand dann „Bückeburg“ auf dem Richtungsweiser …

Wichtig bei Bückeburg ist: es gibt keine Bückeburg. Es gibt nur ein Schloss Bückeburg. Dort ist eine Schloss-Gastronomie des gehobenen Preis-Segments untergebracht. Und die Volkshochschule. Das Gebäude aber – und das ganze Ensemble drum herum – ist wirklich sehenswert. Bückeburg gehört zum Landkreis Schaumburg – hier gibt es eine Burg, die Schaumburg, aber das ist ein Stückchen weg. Bückeburg hat um die 20.000 Einwohner und ist eingebettet in hügeliges Wald- und  Wiesengelände..Es gibt eine zum Bummeln einladende Fußgängerzone mit allem, was dazu gehört. Zum Beispiel die im Baustil der Weser-Renaissance erbaute Stadtkirche, das Rathaus und das Schloss.

Es gibt in Bückeburg viele nette, kleine Geschäft, doch das Wetter war absolut nicht shopping-gemäß. Also suchten wir uns eine Unterkunft für das Mittagessen. Die „Hofapotheke“ gefiel uns, der dort servierte Kaffee auch. Das Schloss ist – wie fast alles hier – fußläufig zu erreichen. Man ist schnell durch – wenn man keine Zeit investiert z. B. für das Hubschrauber-Museum …

 

 

 

 

 

 

 

 

Ach ja – weshalb ich nie nach Bückeburg wollte: Dazu müssen wir ganz weit zurückgehen. Bis in das Jahr 1979. Damals verbrachten wir unseren Sommerurlaub in Cuxhaven. Und Cuxhaven hat ein Kurkapelle – seit nun mehr als 40 Jahren spielen dort die Bückeburger Jäger Blas-, aber auch Tanz-Musik. Unser damals noch keine vier Jahre alter Sohn tat, was noch nicht vier Jahre alte Kinder tun: Er tanzte, bewegte sich im Rhythmus der Musik vor der Musik. Einem der Bückeburger Jäger missfiel dies sehr – er verwies den Steppke mit recht heftigen Worten (auch an die Erziehungs-berechtigten gerichtet) des Platzes. Woraufhin ich diesem Grobklotz (und mir) fast ebenso laut versprach: „Nie, nie, nie in meinem Leben werde ich nach Bückeburg fahren …“ Doch das war dem Bückeburger Jäger ziemlich egal. Mir nicht – und so hat Bückeburg eines unflätigen Bückeburger Jägers wegen fast vierzig Jahre auf mich verzichten müssen. Ob das irgendjemandem aufgefallen ist? Ich glaube nicht. Aber eine Geschichte ist das schon wert, oder?